Infektionsbedingte Resorptionen

Mit zunehmender Schädigung des Wurzelzements und einsetzender bakterieller Besiedelung des Endodonts entstehen infektionsbedingte Resorptionen.

Histologisch ist den Bezirken mit nekrotischem oder fehlendem Wurzelzement entzündlich infiltriertes Gewebe eng benachbart. Man findet Dentinoklasten, die denudiertes Wurzeldentin auflösen. Es wird davon ausgegangen, dass die Progredienz derartiger Resorptionen zusätzliche Stimuli voraussetzt.

Als Hauptreiz gilt die Infektion des Wurzelkanalsystems. Der resorptive Prozess wird durch Mikroorganismen und deren Toxine, die über offene Dentinkanälchen in das entzündlich veränderte Gewebe gelangen, unterhalten.

Die Resorption verläuft initial asymptomatisch. Die schnelle Progression kann bei Kindern eine vollständige Zerstörung der Wurzel innerhalb von Monaten verursachen.

Röntgenologisch finden sich transluzente Zonen unterschiedlicher Größe entlang einer unregelmäßigen Wurzelaußenkontur. Die Transluzenzen betreffen sowohl die Wurzel als auch den Alveolarknochen

Infektionsbedingte Resorptionen sind weitgehend vermeidbar. Lässt sich die Infektion des Wurzelkanalsystems durch eine rechtzeitige Wurzelkanalbehandlung verhindern, kann (in günstigen Fällen) eine parodontale Heilung eintreten oder bei ausgedehntem Zementschaden ohne Heilungspotential eine Ersatzresorptionen einsetzen.

Die Therapiemassnahme ausgeprägter infektionsbedingter Resorptionen stellt eine Herausforderung dar; deren Ziel ist die Eliminierung der Mikroorganismen aus dem Endodont zur Unterstützung der parodontalen Heilung. Da Kalziumhydroxid als Langzeiteinlage zu „Dentinversprödung“ und infolge zu häufigen zervikalen Frakturen bei wurzelunreifen Zähnen führen kann, erscheint es ratsam auf mehrmonatige Einlagen zu verzichten. Da eine kurzzeitige Ca(OH)2-Einlage die Frakturresistenz nicht signifikant verändert, kann eine einmonatige Kalziumhydroxideinlage als möglicher Kompromiss angesehen werden.

Für weitlumige Wurzelkanäle steht mit MTA (mineral trioxide aggregate cement) ein geeignetes apikales Verschlussmaterial zur Verfügung. MTA wird - nach Entfernung der Kalziumhydroxideinlage und Trocknung des Wurzelkanals - in der folgenden Sitzung mit speziellen Applikationspistolen (MAP System, Produits Dentaires SA, Vevey, Schweiz) in Inkrementen apikal platziert und mit geeigneten Pluggern vorsichtig kondensiert. MTA dient als mechanische Barriere für die nachfolgende Wurzelkanalfüllung. Diese erfolgt vorzugsweise mit erwärmter Guttapercha und einem Sealer.

Demzufolge sind die meisten infektionsbedingten Wurzelresorptionen Folge eines inadäquaten endodontischen Managements nach Intrusion oder Avulsion.