Ersatzresorptionen

Ersatzresorptionen sind Wurzelresorptionen mit gleichzeitiger „reparativer“ Knochenneubildung und führen zur Ankylose des Zahnes. Sie treten nach ausgedehnten Nekrosen des parodontalen Ligaments und nach Abklingen der entzündlichen Prozesse in der Umgebung der Wurzeloberfläche auf.

In tierexperimentellen Untersuchungen wurde gezeigt, dass künstlich induzierte Wurzeldefekte bis zu einer Fläche von 2x2 mm parodontal „heilen“, während grössere Defektflächen zur Ankylose führen. Ferner wird angenommen, dass bei einer Nekrose, die mehr als 20% des Wurzelzementes betrifft, die parodontalen Reparaturmechanismen nicht mehr erfolgreich sein können.

Die Zahnwurzel wird allmählich von Dentinoklasten resorbiert, gleichzeitig werden die resorbierten Bezirke durch Knochen ersetzt. Die im Umbauprozeß des Knochens involvierten Zellen sind nicht in der Lage, Wurzeldentin von Alveolarknochen zu unterscheiden. Obwohl die Ersatzresorption, zumindest langfristig zur vollständigen Auflösung der Zahnwurzel führt, ist sie in der Regel günstiger als infektionsbedingte Resorptionen zu bewerten. Die Geschwindigkeit, mit der Ersatzresorptionen fortschreiten, hängt neben anderen Faktoren von der metabolischen Umsatzrate des Patienten und vom Patientenalter ab. Bei Erwachsenen dauert es in den meisten Fällen viele Jahre, bis die Zahnwurzel vollständig resorbiert ist.

Klinisch sind Zähne mit ausgedehnten Ersatzresorptionen an der fehlenden Beweglichkeit des Zahnes zu erkennen (= dento-alveoläre Ankylose). Die axiale Perkussion resultiert in einem typischen metallähnlichen Klang. Röntgenologisch erkennt man die ankylotischen Bezirke am Fehlen des Desmodontalspaltes und einem irregulären, mottenfrasähnlichen Erscheinungsbild der Wurzelaußenkontur. Radioluzente Bereiche existieren nicht. Allerdings können kleinere ankylotische Areale röntgenologisch (aufgrund der zweidimensionalen Darstellung des Zahnes verborgen) bleiben. Dies gilt insbesondere für Resorptionslakunen im Bereich labialer und oraler, aber auch approximaler Wurzelflächen.

Therapiemöglichkeiten/Therapieansätze:

  • Derzeit sind die therapeutischen Möglichkeiten bei vorliegenden Ersatzresorptionen sehr beschränkt.
  • Bei kleinflächiger Ankylose scheint die Behandlung mit Emdogain im Rahmen einer intentionellen Replantation das Wiederauftreten der Ankylose zu verhindern oder hinauszuzögern.
  • Bei jungen Patienten führen ankylotische Areale zur Infraposition des Zahnes und zum approximalen Platzverlust. Daher ist bei Auftreten einer lokalen Wachstumshemmung der Zahnerhalt äußerst kritisch zu hinterfragen.
  • In Einzelfällen kann die Wurzel nach Dekoronation als Platzhalter zur Kammprophylaxe temporär belassen werden.
  • Ist die Entfernung angezeigt, ist als Alternative zu kieferorthopädischen oder (langzeitprovisorischen) prothetischen Lösungen die Zahntransplantation im Frontzahngebiet in Erwägung zu ziehen.
  • Vor dem Hintergrund der beschränkten Therapiemöglichkeiten für Zähne mit Ersatzresorptionen rücken präventive Konzepte in den Mittelpunkt aller Bemühungen nach schweren Dislokationsverletzungen.
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